
Yoga statt Aspirin
● Gesundheit neu ausloten
Den eigenen Weg finden, die individuellen Erfahrungen ernst nehmen - das ist wichtig, wenn Yoga seine gesundheitlichen Wirkungen entfalten soll. Doch das macht es auch schwierig, allgemeingültige Ergebnisse über seine Wirkung vorzulegen. Denn Yoga wirkt nicht wie Aspirin oder Antibiotika, wie ein Medikament, das Krankheitserreger oder Nervenzellen betäubt. Er kann, wie der Psychophysiologe Ulrich Ott erläutert, vielmehr "einen massiven Stimulus setzen, um körpereigene Systeme ins Lot zu bringen". Zu den wichtigsten Wirkungen gehört dabei die Entspannung - und die zeige sich unter anderem "an einer verlangsamten Atmung, einer Senkung von Herzrate und Blutdruck und einer niedrigeren tonischen Muskelspannung. Wohlgemerkt: nach Beendigung des Trainings".
Als allgemein vorbeugende gesundheitsfördernde Massnahme wird Yoga hierzulande aufgrund solcher Erfolge von den Krankenkassen auch unterstützt. Wer Yoga als Medizin gegen eine Krankheit braucht, kann aber mit Kassenleistungen noch nicht rechnen. Selbstbeteiligung und Selbstverantwortung sind beim Yoga also gefragt, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Denn Gesundheit wird nicht als ein Zustand verstanden, sondern als Gleichgewicht, das fortwährend ausbalanciert werden muss - und auch werden kann. Dennoch: Yoga ist kein Wundermittel. Bei manchen schweren Erkrankungen wird die Wirkung möglicherweise darin bestehen, dass der Erkrankte mit den Belastungen der Krankheit oder der schulmedizinischen Therapie bedeutend besser klarkommt, physisch und psychisch. Denn Yoga besteht nicht nur aus nachvollziehbaren körperlichen Übungen, sondern stellt ein mehrstufiges und vielschichtiges philosophisches System dar, das auch Atemübungen, Meditation, Reinigungsrituale und Verhaltensregeln umfasst.
Quelle: Brigitte 9/2005